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Sonntag, August 16, 2009

Kurz vor den Präsidentschaftswahlen

In Kabul riss wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen mal wieder ein Selbstmordattentat zahlreiche Menschen in den Tod.

6.000 Wahllokale sind geplant. Unzureichender Schutz wird die Wahlbeteiligung zur Mutprobe machen oder ist einfach Leichtsinn für jeden, der noch Restfreude am Leben hat oder Verantwortung für die Familie. Und wofür? Welche Alternativen stehen zur Wahl und sind realistisch? Irgendeine wirtschaftliche Entwicklung anstelle von bewaffneter Räuberei und Opium-Anbau? Nicht in Aussicht.
Oder wäre da irgendwo ein afghanisches Landgut, dessen Produkte von Deutschland ausreichend teuer gekauft oder subventioniert=politisch kontrolliert in den afghanischen Wirtschaftskreislauf gebracht würde?
Was ich an Entwicklungsbeispielen im Fernsehen vorgesetzt bekam, überzeugte mich nicht. - Da war mein Vater auf Nias gescheiter, obwohl eigentlich in der Funktion des Arztes, aber er brachte die Landwirtschaft in Schwung, baute Straße und Brücken, damit die Menschen ARBEIT haben und sich ihren Lebensunterhalt verdienen können. -

In Afghanistan riefen die Taliban riefen zum Wahl-Boykott auf. Die Hintergründe solcher Entscheidungen kennen wir nicht, ob sie beispielsweise kandidieren durften, ob der Boykott auf traditionalistischer, grundsätzlicher Demokratie-Ablehnung beruht und/oder in der Erwartung begründet ist, dass die Taliban in geheimen Wahlen zu weit hinter ihren Universalgültigkeitsansprüchen zurückbleiben würden.

Als sich die Sowjets in Afghanistan verzettelten, mit Panzern und Kampfhubschraubern keine zivile Entwicklung zu sichern vermochten, überlegte ich oft, wie sie dort wieder rauskommen und was die Folgen des Abzugs wären. Der Abzug kam und die von Moskau unterstützte Regierung in Kabul mühte sich noch eine Weile ab, dann marschierten die Taliban ein.
Wie ging das weiter? In Zeiten des Kalten Krieges war den Meldungen nicht zu trauen, allenfalls denen von Hilfsorganisationen, aber die halten sich aus guten Gründen mit ihren politischen Einschätzungen zurück.

Heute wie damals ist zu befürchten, dass diejenigen, die sich mit den Interventionsmächten einlassen, aber erfolglos, weil sich für die Menschen zu wenig bessert oder sogar verschlechtert, um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie nicht rechtzeitig die Seiten wechseln und ihren Frust in Hass gegen die Interventionsmächte verkehren. Genau das wollen die Taliban bewirken. Das ist ein mörderisches und mieses Spiel der Taliban, aber das wusste man vorher, spätestens mit dem Scheitern der Sowjets.

Und Obama? Es fehlt auch ihm an einem Afghanistan-Konzept. Der Konflikt weitet sich noch immer aus, nach Pakistan und hin zu pakistanischen Atomwaffen, deren Abschaffung zu fordern, sich offenbar auch Obama nicht traut, weil sich die Regierung in Islamabad mit Hinweis auf die indischen Atomwaffen und aus Prestigegründen weigern würde. Dennoch müsste er es fordern. Doch wozu die USA ermuntern, als hätten wir keine eigene Regierung, die ebenfalls mal Initiativen starten könnte. 4000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, ein unverschämt teurer Einsatz - und die Bilanz rechtfertigt das nicht.

CDU-Merkel-Plakate mit der Parole "Wir haben Kraft" sind in Anbetracht der Realitäten nicht einfach nur lächerlich, sondern erbärmlich.